Ein Expertentalk – komprimiert für Sie: Georg Larch (Managing Partner, XQI Interim Partner) und Ulvi Aydin (Founder & CEO, AYCON/Ameritum und XQI Executive Circle Partner) im Gespräch vom 17. Februar 2026.
Die aktuelle Marktlage: Halb voll oder halb leer?
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, wo Sie hinschauen. 2026 ist weder Boom noch Kollaps – aber die Stimmung fühlt sich für viele schlechter an, als sie ist. Ein „Windchill-Effekt“: Die Wahrnehmung ist kälter als die Realität.
- Der Jahresstart war schwächer als erhofft. Im Finanzbereich blieb der übliche Nachfrageschub rund um Jahresabschluss und Reporting aus. Das führt zu dem Gefühl, „es sei nichts los“ – dabei laufen viele Projekte, nur selektiver und mit längeren Entscheidungszyklen.
- Entscheidungsprozesse sind komplexer geworden. Früher entschied vielleicht ein Vorstand mit seiner Assistenz schnell; heute laufen viele Vorhaben über Procurement, Einkauf oder zusätzliche Gremien. Die Time-to-Decision hat sich deutlich verlängert.
- Die Nachfrage kommt aus zwei Richtungen:
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- Problemsituationen (Stabilisierung, Liquidität, Restrukturierung – besonders in Branchen wie Automotive, wo selbst Zahlungen eng überwacht werden).
- Wachstumsfelder (Scale-ups, Infrastrukturprojekte, wo Auslastung und Umsetzung Priorität haben).
Branchen im Fokus:
- Schwierig: Automotive (aber: Selbst hier gibt es Nischen mit Stabilisierung).
- Dynamisch: Energie (Elektrifizierung, Stromversorgung – hier sind Lieferketten und Kapazitäten jahrelang ausgelastet), Cloud, Aviation, Defense, Robotik.
- KI als Treiber: Kein Buzzword mehr, sondern echter Transformationshebel. Unternehmen nutzen KI für Prozessneugestaltung und Produktivitätssteigerung – und schaffen damit neue Mandate, die intern nicht abgedeckt werden können.
XQI: Warum eine Neuausrichtung – und was dahintersteckt
XQI ist keine neue Firma, sondern eine strategische Weiterentwicklung. Der Kern: Fokus auf Premium-Executive-Interim – mit klarem Qualitätsverständnis.
Die Vision:
„Im Premium-Segment ein relevanter Player sein, der sowohl Interim Executives als auch Kunden überzeugt: Mit denen will ich arbeiten.“
Dabei geht es nicht um ‚Alles für jeden‘, sondern um:
- Zielgruppe: Erste und zweite Führungsebene.
- Schwerpunkte: Transformation, Restrukturierung, Post-Merger-Integration.
- Ausschluss: Klassisches Low-Budget-Staffing.
Der Netzwerk-Ansatz: Warum Persönlichkeit über Profile entscheidet
„Es gibt Situationen, in denen nicht das perfekte ‚LucaNet-im-Maschinenbau-mit-77-Mio.-Umsatz-Profil den Ausschlag gibt, sondern ob jemand als Persönlichkeit, Change-Leader und Führungstyp passt.“
Dafür braucht es echte Nähe – dreimal jährlich telefonieren reicht nicht. XQI setzt daher auf ein selektives, überschaubares Netzwerk, das Vertrauen und Passgenauigkeit ermöglicht.
Warum das gerade jetzt wichtig ist:
Bei mehr Angebot (immer mehr Interim-Manager drängen in den Markt) wird der Wettbewerb härter. Qualität, Passung und Vertrauen werden zum Differenzierer – besonders im Premium-Segment.
Was sich verändert hat – und was das für Sie bedeutet
Der Markt ist dichter – und unübersichtlicher.
Vor zehn Jahren gab es weniger Akteure, weniger Plattformen, weniger Dynamik. Heute kommen Positionen aus vielen Kanälen – nicht mehr nur über wenige große Provider. Jede neue Person im Markt bringt eigenes Netzwerk und neue Zugänge mit. Das bedeutet:
- Mehr Konkurrenz, aber auch mehr Gesamtvolumen.
- Provider-Landschaft in Bewegung: Private-Equity-Geld fließt in die Branche (mit Risiko von Wachstumsdruck und falschen Entscheidungen), Nachfolgethemen und Gesellschafterkonflikte nehmen zu.
Vertragsmodelle werden komplexer.
Früher standardisiert, heute vielfältig:
- Sozietäten mit Pflichtabwicklung über die Sozietät,
- Konstruktionen mit Lizenzgebühren,
- Mehrstufige Margen, die Projekte für Kunden teuer machen.
→ Praxistipp: Lesen Sie genau, was Sie unterschreiben – besonders als Manager, denn Lizenzen, Margen und Haftung beeinflussen Ihre wirtschaftliche Realität stark.
Positionierung ist kein Nice-to-have, sondern Überlebensstrategie.
Die Empfehlung der Experten: Fokussieren, nicht streuen.
- Nicht: Auf sieben Plattformen hoffen, dass Sie gefunden werden.
- Sondern: Strategisch entscheiden, mit welchen Partnern Sie arbeiten – und wer Sie als Person kennen sollte (Führung, Mindset, Stärken).
- Klarheit schaffen: Im Lebenslauf sollte sofort erkennbar sein, wofür Sie stehen (Rollen, Branchen, Größenordnungen). LinkedIn ist Pflicht – hier entsteht der professionelle Eindruck.
Branchenwechsel sind möglich – aber anspruchsvoller.
Sie funktionieren am ehesten, wenn:
- Der Kunde Sie gut kennt,
- Der Fit wirklich verstanden wird,
- Sie nicht in einem anonymen Pitch mit fünf Kandidaten konkurrieren.
Beispiel Automotive: Traditionell schwer für Externe – aber mit starkem Netzwerk und klarer Value-Proposition machbar.
Tagessätze, Referenzen und die unbequemen Wahrheiten
„Der Markt ist schlecht“ – stimmt das?
Nein, pauschal nicht. Indikator gegen die These: Bei großen, anspruchsvollen Rollen sind die „Top-Kandidaten“ oft schon in Projekten gebunden. Der Markt liegt nicht am Boden – aber die Verteilung und Geschwindigkeit haben sich geändert.
Tagessätze: Was ist realistisch?
- Kein Einheitsatz. Bei standardisierten Rollen stehen die Sätze unter Druck.
- Premium-Segment: Die frühere „2.000-Euro-Grenze“ ist in vielen Fällen nicht mehr die Obergrenze.
- Entscheidend: Kontext (Komplexität, Hebel, Wertschöpfung, Zeitfenster).
- In Private-Equity-Kontexten mit EBITDA-Logik lässt sich der Wertbeitrag oft gut argumentieren.
- Warnung: Maximale Ausreizung schadet langfristig. Ein offener Dialog führt meist zu fairen Lösungen.
Referenzen und Zeugnisse: Warum sie wichtiger sind, denn je
- Plausibilitätscheck: Professionelle Anbieter prüfen Abschlüsse und Nachweise –
besonders bei „kreativ interpretierten“ Lebensläufen. - Digitaler Eindruck: Wenn Sie gegoogelt werden, stärken glaubwürdige Testimonials das Vertrauen – und helfen Kunden, den Fit besser einzuschätzen.
Ausblick 2026: Drei Takeaways für Ihr Business
- Der Markt ist sehr in Bewegung – aber nicht so schlecht, wie er sich anfühlt.
- Es gibt Nachfrage aus Problemsituationen und Wachstumsfeldern.
- Internationale Dynamik (USA, China) zieht auch europäische Projekte mit.
- Entscheidungsprozesse dauern länger – planen Sie Geduld ein.
- Pipeline-Management wird entscheidend.
- KI und Effizienzthemen treiben Change-Projekte voran – Unternehmen können sie nicht allein stemmen.
- Positionierung ist alles.
- Frage an Sie: In welchem Teilmarkt spielen Sie? Welche Multiplikatoren kennen Sie – und wissen, wofür Sie stehen?
- Interim ist kein Übergang, sondern eine unternehmerische Entscheidung. Wer es halbherzig betreibt („bis ich was Festes habe“), wird im härter werdenden Markt nicht bestehen.
Das letzte Wort: Warum Persönlichkeit über alles entscheidet
„In Change-Situationen zählt nicht primär die Produktkenntnis, sondern Führung, Kommunikation und Vertrauensfähigkeit.“
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Ein Interim Executive kannte das fachliche Thema nicht – aber die Organisation brauchte genau seine Erfahrung und sein Leadership. Der Branchenwechsel gelang.
Ihr nächster Schritt?
- Netzwerk pflegen (nicht nur digital, sondern mit echten Beziehungen).
- Klar positionieren (welche Rollen, welche Branchen, welcher Mehrwert?).
- Sichtbar sein – auf LinkedIn, mit Referenzen, mit einer klaren Botschaft.
Fazit: 2026 bietet Chancen – für diejenigen, die strategisch handeln, Qualität liefern und Beziehungen aufbauen. Der Markt belohnt keine Verfügbarkeit, sondern Klarheit und Expertise.
(Textquelle: in ursprünglicher Form erschienen am 17.02.2026 unter dem Titel: “Interim-Marktupdate 2026…“ auf Insights – !AYCON – Ulvi I. AYDIN)