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Interim-Marktupdate 2026: Was jetzt zählt – Trends, Nachfrage und wie Sie sich positionieren

04.03.2026 | Insights von Georg Larch, Ulvi I. Aydin

Ein Expertentalk – komprimiert für Sie: Georg Larch (Managing Partner, XQI Interim Partner) und Ulvi Aydin (Founder & CEO, AYCON/Ameritum und XQI Executive Circle Partner) im Gespräch vom 17. Februar 2026.

 

Die aktuelle Marktlage: Halb voll oder halb leer?

Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, wo Sie hinschauen. 2026 ist weder Boom noch Kollaps – aber die Stimmung fühlt sich für viele schlechter an, als sie ist. Ein „Windchill-Effekt“: Die Wahrnehmung ist kälter als die Realität.

  1. Der Jahresstart war schwächer als erhofft. Im Finanzbereich blieb der übliche Nachfrageschub rund um Jahresabschluss und Reporting aus. Das führt zu dem Gefühl, „es sei nichts los“ – dabei laufen viele Projekte, nur selektiver und mit längeren Entscheidungszyklen.
  2. Entscheidungsprozesse sind komplexer geworden. Früher entschied vielleicht ein Vorstand mit seiner Assistenz schnell; heute laufen viele Vorhaben über Procurement, Einkauf oder zusätzliche Gremien. Die Time-to-Decision hat sich deutlich verlängert.
  3. Die Nachfrage kommt aus zwei Richtungen:
    • Problemsituationen (Stabilisierung, Liquidität, Restrukturierung – besonders in Branchen wie Automotive, wo selbst Zahlungen eng überwacht werden).
    • Wachstumsfelder (Scale-ups, Infrastrukturprojekte, wo Auslastung und Umsetzung Priorität haben).

 

Branchen im Fokus:

  • Schwierig: Automotive (aber: Selbst hier gibt es Nischen mit Stabilisierung).
  • Dynamisch: Energie (Elektrifizierung, Stromversorgung – hier sind Lieferketten und Kapazitäten jahrelang ausgelastet), Cloud, Aviation, Defense, Robotik.
  • KI als Treiber: Kein Buzzword mehr, sondern echter Transformationshebel. Unternehmen nutzen KI für Prozessneugestaltung und Produktivitätssteigerung – und schaffen damit neue Mandate, die intern nicht abgedeckt werden können.

 

XQI: Warum eine Neuausrichtung – und was dahintersteckt

XQI ist keine neue Firma, sondern eine strategische Weiterentwicklung. Der Kern: Fokus auf Premium-Executive-Interim – mit klarem Qualitätsverständnis.

Die Vision:

„Im Premium-Segment ein relevanter Player sein, der sowohl Interim Executives als auch Kunden überzeugt: Mit denen will ich arbeiten.“

Dabei geht es nicht um ‚Alles für jeden‘, sondern um:

  • Zielgruppe: Erste und zweite Führungsebene.
  • Schwerpunkte: Transformation, Restrukturierung, Post-Merger-Integration.
  • Ausschluss: Klassisches Low-Budget-Staffing.

 

Der Netzwerk-Ansatz: Warum Persönlichkeit über Profile entscheidet

„Es gibt Situationen, in denen nicht das perfekte ‚LucaNet-im-Maschinenbau-mit-77-Mio.-Umsatz-Profil den Ausschlag gibt, sondern ob jemand als Persönlichkeit, Change-Leader und Führungstyp passt.“

Dafür braucht es echte Nähe – dreimal jährlich telefonieren reicht nicht. XQI setzt daher auf ein selektives, überschaubares Netzwerk, das Vertrauen und Passgenauigkeit ermöglicht.

 

Warum das gerade jetzt wichtig ist:

Bei mehr Angebot (immer mehr Interim-Manager drängen in den Markt) wird der Wettbewerb härter. Qualität, Passung und Vertrauen werden zum Differenzierer – besonders im Premium-Segment.

 

Was sich verändert hat – und was das für Sie bedeutet

Der Markt ist dichter – und unübersichtlicher.

Vor zehn Jahren gab es weniger Akteure, weniger Plattformen, weniger Dynamik. Heute kommen Positionen aus vielen Kanälen – nicht mehr nur über wenige große Provider. Jede neue Person im Markt bringt eigenes Netzwerk und neue Zugänge mit. Das bedeutet:

  • Mehr Konkurrenz, aber auch mehr Gesamtvolumen.
  • Provider-Landschaft in Bewegung: Private-Equity-Geld fließt in die Branche (mit Risiko von Wachstumsdruck und falschen Entscheidungen), Nachfolgethemen und Gesellschafterkonflikte nehmen zu.

Vertragsmodelle werden komplexer.

Früher standardisiert, heute vielfältig:

  • Sozietäten mit Pflichtabwicklung über die Sozietät,
  • Konstruktionen mit Lizenzgebühren,
  • Mehrstufige Margen, die Projekte für Kunden teuer machen.

Praxistipp: Lesen Sie genau, was Sie unterschreiben – besonders als Manager, denn Lizenzen, Margen und Haftung beeinflussen Ihre wirtschaftliche Realität stark.

Positionierung ist kein Nice-to-have, sondern Überlebensstrategie.

Die Empfehlung der Experten: Fokussieren, nicht streuen.

  • Nicht: Auf sieben Plattformen hoffen, dass Sie gefunden werden.
  • Sondern: Strategisch entscheiden, mit welchen Partnern Sie arbeiten – und wer Sie als Person kennen sollte (Führung, Mindset, Stärken).
  • Klarheit schaffen: Im Lebenslauf sollte sofort erkennbar sein, wofür Sie stehen (Rollen, Branchen, Größenordnungen). LinkedIn ist Pflicht – hier entsteht der professionelle Eindruck.

Branchenwechsel sind möglich – aber anspruchsvoller.

Sie funktionieren am ehesten, wenn:

  • Der Kunde Sie gut kennt,
  • Der Fit wirklich verstanden wird,
  • Sie nicht in einem anonymen Pitch mit fünf Kandidaten konkurrieren.

Beispiel Automotive: Traditionell schwer für Externe – aber mit starkem Netzwerk und klarer Value-Proposition machbar.

 

Tagessätze, Referenzen und die unbequemen Wahrheiten

„Der Markt ist schlecht“ – stimmt das?

Nein, pauschal nicht. Indikator gegen die These: Bei großen, anspruchsvollen Rollen sind die „Top-Kandidaten“ oft schon in Projekten gebunden. Der Markt liegt nicht am Boden – aber die Verteilung und Geschwindigkeit haben sich geändert.

 

Tagessätze: Was ist realistisch?

  • Kein Einheitsatz. Bei standardisierten Rollen stehen die Sätze unter Druck.
  • Premium-Segment: Die frühere „2.000-Euro-Grenze“ ist in vielen Fällen nicht mehr die Obergrenze.
  • Entscheidend: Kontext (Komplexität, Hebel, Wertschöpfung, Zeitfenster).
  • In Private-Equity-Kontexten mit EBITDA-Logik lässt sich der Wertbeitrag oft gut argumentieren.
  • Warnung: Maximale Ausreizung schadet langfristig. Ein offener Dialog führt meist zu fairen Lösungen.

 

Referenzen und Zeugnisse: Warum sie wichtiger sind, denn je

  • Plausibilitätscheck: Professionelle Anbieter prüfen Abschlüsse und Nachweise –
    besonders bei „kreativ interpretierten“ Lebensläufen.
  • Digitaler Eindruck: Wenn Sie gegoogelt werden, stärken glaubwürdige Testimonials das Vertrauen – und helfen Kunden, den Fit besser einzuschätzen.

 

Ausblick 2026: Drei Takeaways für Ihr Business

  • Der Markt ist sehr in Bewegung – aber nicht so schlecht, wie er sich anfühlt.
  • Es gibt Nachfrage aus Problemsituationen und Wachstumsfeldern.
  • Internationale Dynamik (USA, China) zieht auch europäische Projekte mit.
  • Entscheidungsprozesse dauern länger – planen Sie Geduld ein.
  • Pipeline-Management wird entscheidend.
  • KI und Effizienzthemen treiben Change-Projekte voran – Unternehmen können sie nicht allein stemmen.
  • Positionierung ist alles.
  • Frage an Sie: In welchem Teilmarkt spielen Sie? Welche Multiplikatoren kennen Sie – und wissen, wofür Sie stehen?
  • Interim ist kein Übergang, sondern eine unternehmerische Entscheidung. Wer es halbherzig betreibt („bis ich was Festes habe“), wird im härter werdenden Markt nicht bestehen.

 

Das letzte Wort: Warum Persönlichkeit über alles entscheidet

„In Change-Situationen zählt nicht primär die Produktkenntnis, sondern Führung, Kommunikation und Vertrauensfähigkeit.“

Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Ein Interim Executive kannte das fachliche Thema nicht – aber die Organisation brauchte genau seine Erfahrung und sein Leadership. Der Branchenwechsel gelang.

 

Ihr nächster Schritt?

  • Netzwerk pflegen (nicht nur digital, sondern mit echten Beziehungen).
  • Klar positionieren (welche Rollen, welche Branchen, welcher Mehrwert?).
  • Sichtbar sein – auf LinkedIn, mit Referenzen, mit einer klaren Botschaft.

 

Fazit: 2026 bietet Chancen – für diejenigen, die strategisch handeln, Qualität liefern und Beziehungen aufbauen. Der Markt belohnt keine Verfügbarkeit, sondern Klarheit und Expertise.

(Textquelle: in ursprünglicher Form erschienen am 17.02.2026 unter dem Titel: “Interim-Marktupdate 2026…“ auf  Insights – !AYCON – Ulvi I. AYDIN)