Die Ausgangssituation im September 2023: Gemeinsam mit Andreas Renner (Leiter der Steinbeis Augsburg Business School) analysierte ich das Potenzial der Starnberger Seegespräche. Das neue Konferenzformat der Steinbeis Business School richtet sich gezielt an Familienunternehmer:innen, Aufsichtsrät:innen und Vorständ:innen – eine Zielgruppe, die nicht nur über Budgets entscheidet, sondern auch über die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Das gemeinsame Ziel: Die Weiterentwicklung einer regionalen Konferenz von 80 Teilnehmenden hin zu einem führenden Wirtschaftsdialog in Deutschland.
Die Strategie basierte auf drei wesentlichen Hebeln:
- Inhaltliche Schärfung und Format-Ausbau: Die Erweiterung zu einer strukturierten Ganztagesveranstaltung war kein Selbstzweck, sondern eine strategische Notwendigkeit. Nur so ließ sich die Perspektivenvielfalt sicherstellen, die Top-Entscheider:innen heute erwarten – wie beim Leitthema 2026: „Das Comeback der deutschen Wirtschaft?“
- Infrastruktur: Der Wechsel in eine weitaus größere, repräsentative Location und der Wille zur Skalierung.
- Gewinnung von Referenten und Partnern: Beziehungen sind das neue Kapital – besonders in Zeiten, in denen Vertrauen schneller verloren geht als aufgebaut. Die gezielte Ansprache von Sponsoren sowie von Persönlichkeiten mit tiefgründiger Praxiserfahrung sowie die Öffentlichkeitsarbeit sind wichtige Erfolgsfaktoren.
Die Umsetzung und die wichtigsten Lehren:
Die anfängliche Phase der Referenten- und Sponsorenakquisition erforderte eine hohe Investition an Ausdauer; erste Absagen blieben naturgemäß nicht aus. Diese Dynamik lieferte jedoch wertvolle Erkenntnisse:
- Marketing-Learning: Eine starke Marke baut man nicht in zwölf Monaten auf. Das bestehende Fundament der Konferenz (Brand Heritage) musste behutsam weiterentwickelt werden. Sie ist notwendig – sowohl um Sponsoren eine verlässliche Plattform zu bieten als auch um hochkarätige Referenten für ein solches Podium zu gewinnen.
- Resilienz im Vertrieb: Absagen sollte man niemals persönlich nehmen. Sie sind Teil einer notwendigen Feedback-Schleife, um das eigene Konzept zu schärfen und konsequent in der Verfolgung der Ziele zu bleiben und weiterzumachen. Jede Zusage ist ein Vertrauensvorschuss – und jede Absage ein Datenpunkt für die nächste Iteration. Die Parallele für Unternehmen: Jede Krise, jede Absage, jeder Rückschlag ist eine Chance zur Neuausrichtung – wenn man sie als Lerngelegenheit begreift.
Das Ergebnis heute:
Das Format ist organisch und nachhaltig gewachsen. Heute führt die Konferenz rund 250 Entscheider aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen. Dass wir im September 2026 Wirtschaftsgrößen wie Joe Kaeser, Peter Harf, Jean-Remy von Matt, Agnes Heftberger, Achim Berg und Andreas Weißenbacher auf der Bühne begrüßen dürfen, unterstreicht diese Entwicklung und erfüllt das gesamte Team mit großer Freude.
Der entscheidende Faktor und die persönliche Herausforderung:
Ein solches Projekt lässt sich nicht rein rational steuern. Projekte, die Freude bereiten, treibt man mit echter Leidenschaft voran – das gilt für alle Lebensbereiche.
Gleichzeitig erfordert es eine enorme persönliche Leistungsbereitschaft und auch ein Stück Demut. Am Ende einer solchen Konferenz den Schlussvortrag mit dem Titel „One more thing…“ zu halten, ist eine Herausforderung, die mich jedes Mal fordert. Ich erinnere mich gut an das vergangene Jahr: Wenn auf der Bühne zuvor Persönlichkeiten wie Karl-Theodor zu Guttenberg, Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin und Natalie Amiri gesprochen haben, fordert es einen heraus, vor solch rhetorischer und inhaltlicher Exzellenz den Bogen zu spannen. Es schärft nachhaltig den Respekt vor der eigenen Aufgabe.
Die Management-Perspektive:
Dieses Projekt lief vollständig parallel zum operativen Tagesgeschäft. Die gleichzeitige Steuerung von Beiratsmandaten, XQI-Interim- und Beratungsprojekten, der Lehrauftrag an der Steinbeis Business School und das ehrenamtliche Engagement (u.a. NextGen Board) erfordert am Ende weit weniger ein starres Zeitmanagement als vielmehr ein erfülltes Energiemanagement nach Prioritäten.
Wenn die persönliche Leidenschaft für ein Thema die treibende Kraft ist, geht es immer darum, mit welcher Intensität und welcher Begeisterung man sich einbringt – strategischer Fokus gepaart mit echter Begeisterung schlägt letztlich jeden Ressourcenmangel.